Psychedelische Kreationen

Die wohlhabende, elegante Frau der Sechziger trug Emilio Puccis psychedelische Kreationen, die vor allem wegen der Kunstfertigkeit und des Schwungs ihrer wirbelnden, farbenfrohen Muster hoch geschätzt waren, welche das Unmögliche möglich zu machen schienen: eine Art Geometrie in freien Formen. Elizabeth Taylor, Ingrid Bergman, Grace Kelly, sogar die Feministin Gloria Steinern, sie alle ließen sich in ihren Lieblings-Puccis fotografieren, lange bevor der Run auf seine Modelle einsetzte. Pucci hat unzählige Revivals erlebt, bis heute, da Supermodeis wie Kate Moss sich in klassischen Stücken von ihm zeigen, die den Zauber seiner Kleider lebendig erhalten. Dem Schöpfer dieser irrwitzig komplizierten Muster und der einfach-beredten Kampagnen, mit denen er für seine Kleider warb, hätte gewiss niemand eine Karriere als Haute-Couture-Designer prophezeit. Emilio Pucci - auch bekannt als "Marchese di Barsento" war in eine alte Florentiner Adelsfamilie hineingeboren worden, die väterlicherseits mit Zar Peter dem Großen verwandt war. Pucci begann als Skifahrer für die italienische Nationalmannschaft, zeichnete sich aber schon bald als Jagdflieger und Kriegsheld aus. Seine Familie war wie viele Adlige in Europa durch den Krieg verarmt; Emilio beschloss deshalb, sein Glück in Amerika zu suchen. Er studierte zunächst an der University of Georgia und dann am Reed College in Portland, Oregon. In Amerika wandte er sich auch ernsthaft der Mode zu. Seinen ersten Erfolg erlebte er, als ein Einkäufer für Lord andTayler, New York, Skianzüge sah, die Emilio nebenbei für das Ski-Team des Reed College entworfen hatte. Mit diesem ersten kleinen Auftrag begann das Pucci-Phänomen, das dann immer weitere Kreise zog.