Grungemode im Onlineshop

Die Entstehung der Jugendkultur Grunge ist im Kontext der gesellschaftlichen Situation der 1980er Jahre, insbesondere im Zusammenhang mit der "Generation X" zu betrachten. Deren Vertreter wachsen in den 1980er Jahren auf und werden auch als Generation, "die keinen Namen haben will", bezeichnet. Heute ist sie auch als „Null-Bock" oder als „verlorene, frustrierte Generation" bekannt. Charakteristisch für diese Altersgruppe der heute „Unte-dreißigjährigen" ist eine „Mentalität des Rückzugs", die sich in Misstrauen, kolossalem Desinteresse an den „schönen Dingen des Lebens", Orientierungs- bzw. Perspektivlosigkeit sowie Desillusionierung, Distanz und Verweigerung äußert. Dieses Lebensgefühl wird hervorgerufen durch eine existenzielle Verunsicherung, welche durch „die soziale Kälte und Ellenbogenmentalität der Reagan-Ära, die Wirtschaftskrise der ausgehenden Achtziger Jahre und als Folge daraus die in der Unterschicht der USA zunehmende Arbeitslosigkeit und Verarmung ausgelöst wird.

Darüber hinaus ist die Rückzugs- und Verweigerungsmentalität der „Gen X" als Reaktion auf den „schönen Schein" der 1980er Jahre zu verstehen. Konträr zur Lebenseinstellung der Yuppies, die sich in Materialismus, Konsumrausch und Erfolgsstreben sowie in Luxus, Glanz und Glamour zeigt, präsentiert sich die „Gen X" mit einer antimaterialistischen bzw. antikonsumorientierten, resignierten, zynisch-melancholischen und gelangweilten Lebenshaltung. Im Gegensatz zu den Yuppies versuchen die Vertreter der „Gen X", mehr Authentizität in die für sie sonst so künstliche Welt und in das eigene Dasein zu bringen. Sie sind auf der Suche nach den „echten" Werten des Lebens, nach Geborgenheit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Der irische Modeanbieter Primark ist ein Verfechter dieses Modestils und hat immer wieder Grungemode in seiner Onlineshopping-Seite. Zwar sucht Primark nicht explizit einen Umsatz mit diesem Modestil. Aber das gehört einfach zum Sortiment eines Modeanbieters, der sich mit verschiedenen Stilrichtungen auskennt. Darum kann Primark nach Jahren immer noch erfolgreich auf verschiedenen Märkten und verschiedenen Kunden bedienen.

 

Vor dem Hintergrund dieser Lebenseinstellung der „Gen X" entwickelt sich Mitglieder der 1980er Jahre in Seattle die Grungemusik, die als eine neue und authentische Ausdrucksform vieler Jugendlicher betrachtet werden kann. Junge Musiker versuchen, ihre soziale Situation auf die Musik zu projizieren, um damit ihre „echten" Gefühle zu artikulieren. Da sich die Musiker keine teuren Instrumente, wie zum Beispiel einen Synthesizer, leisten können und wollen, greifen sie zu gebrauchten Billiggitarren und alten Verstärkern, um „der Welt des schönen Scheins und des geilen Konsums ein paar Akkorde in die Gehörgänge zu schrammen und ihr ins Gesicht zu schreien. Den Musikern geht es nicht um technische Virtuosität oder harmonische Klänge, im Gegenteil, man missachtet die neuen Pop-Produktionen aus dem Radio und will über das bewusste Ignorieren musiktechnischer Perfektionen eine neue Art der Rockmusik - konventionell und authentisch - kreieren. Mit lautem und wuchtigem, hartem und verzerrtem Gitarrensound, mit disharmonischen und nichtsynthetischen Klängen sowie mit rauem und schreiendem, teilweise sensibel bis weinerlich anmutendem Gesang, der mit einem Hauch von Melancholie unterlegt ist, entsteht eine neue Musikart, der Grungerock. Dieser besitzt einen schlampigrockigen Charakter. Der Grungerock stellt sich als „eine merkwürdige Mischung aus Engagement und Apathie", untermalt mit leidenschaftlich-emotionalen Gefühlseruptionen, dar, ein Musikstil, der das Gefühl der Resignation und der Verzweiflung aufkommen lässt. Als Mischung zweier bekannter Musikstile, des Hardrocks der 1970er Jahre und des amerikanischen Punkrocks der 1980er Jahre, wird der Grungerock zu einem neuen, faszinierenden Musikstil gesampelt. Dieses Sampeln verschiedener musikalischer Stilrichtungen wird in der Musiktheorie auch als Crossover bezeichnet.